, Jetzer Mathias

Entwurf Restwasserbericht - Etzelwerk

Stellungsnahme der Umweltorganisationen inkl. KSFV

Um das ganze Thema leichter verträglich zu machen, habe ich für Euch die Thematik des Restwasserberichtes folgend zusammengefasst, damit Ihr ohne grossen Aufwand im Bilde seid, um was es geht.

Die Neukonzessionierung des Etzelwerkes steht an. Im Moment hat die die Betreiberin SBB eine Übergangskonzession. Um eine Neukonzessionierung für die nächsten 80 Jahre zu erreichen, muss sie nun eine Umweltverträglichkeitsprüfung inkl. Restwasserbericht durchführen. Diese Angelegenheit ist also von grosser Relevanz für die Fischerei in der Sihl, dem Sihlsee und dessen Zuflüssen. Ein ca. 300-seitiger Entwurf über den Restwasserbericht liegt WWF, Aqua Viva, Pro Natura Schwyz, dem Fischereiverband Kanton Zürich (FKZ) sowie dem Kantonal Schwyzerischer Fischereiverband (KSFV) vor (in folge USOs genannt). Die Interessenverbände für die Fischerei sowie Natur haben daraufhin eine 12-seitige Stellungsnahme verfasst. Darin wurden die folgenden 8 Punkte (Kurzfassung) gefordert (unten als kursiver Text markiert):

1. Auswirkungen Restwasser: Das Etzelwerk hat in der Vergangenheit die Mindestbestimmungen bezüglich Restwasser nicht erfüllen müssen, da das Kraftwerk vor über 80 Jahren gebaut wurde. Dass jetzt die Betreiberin von einer Einbusse gegenüber der alten Konzession spricht, gefällt den USOs nicht.

Sie beantragen die Streichung des gesamten Kapitels im Entwurf, da es für die Vergabe der neuen Konzession nicht von Relevanz ist und eher Propaganda-Zwecken dient. Es sei viel mehr aufzuzeigen, dass die Nutzung der Sihl die geplante Wiederherstellung der naturnahen Lebensräume bzw. Populationen der Zielarten (Äsche, Nase, Bach- bzw. Flussforelle, Barbe, Seeforelle, und Lachs) nicht gefährdet bzw. verhindert.

2. Hydrologische Grundlagen: Bei diesem Thema handelt es sich unterm anderem um den künstlich auf einem gleichen Niveau gehaltenen Wasserdurchfluss durch das Kraftwerk durch Sockelungen in der Vergangenheit. Damit ein Gewässer aber auch in seiner besten Funktion arbeiten kann, braucht es auch mal Hochwasser, welches beispielsweise durch die Schneeschmelze im Frühling ausgelöst werden kann. Die USO wollen, dass die Sihl so naturverbunden wie möglich (im Einklang mit dem Hochwasserschutz) wird. Deshalb stellen sie an die Betreiberin und Kantone folgende Forderungen:

Die Dynamik von Alp und Biber sei der Sihl vollständig zuzugestehen. Eine Pufferung der natürlichen Dynamik durch die unnatürliche Sockeldotation sei zu unterbinden. Die Schneeschmelze sei auf tieferem Niveau in der Restwasserdotation abzubilden. Eine naturnahe Hochwasserdynamik sei im Dotierreglement festzuhalten. Die festgestellten Versickerungen seien zu untersuchen und im Restwasserbericht zu dokumentieren. Allfällige Erhöhungen der Restwassermenge gelten für die gesamte Restwasserstecke und müssen auf den gesamten 49 km eingehalten werden. Die Verdunstung durch das künstliche Fassungsbauwerk bzw. den Sihlsee sei sauber und transparent im Restwasserbericht darzustellen und grafisch zu verdeutlichen, sowie bei allfälligen Restwasserreduktionen zu berücksichtigen. Die angemessenen Restwassermengen seien den Unterliegerkraftwerken zeitnahe zu verfügen. Bis 2022 sei die Restwasserdotation konstant auf Sihlseewasser umzustellen. Ansonsten sei jegliche Konzession zu verweigern.

3. Makrozoobenthos: Hier bemängeln die USOs vor allem die unterschiedlich gewählten Zeitpunkte für die Tests. Dadurch leidet die Aussagekraft der Untersuchungen.

Die Untersuchungen zu Makrozoobenthos sind zu wiederholen, zwecks Vergleichbarkeit und zur Steigerung der Aussagekraft. Dafür ist das prioritäre Probenahmezeitfenster gemäss MSK zu wählen.

4. Fische und Fischerei: Dieser Teil ist für uns natürlich von zentraler Bedeutung. Der Text ist nicht allzulange, darum verweise ich direkt auf die oben verlinkte Stellungsnahme.

Die freie Fischwanderung sei auch für diverse Kleinfischarten z.B. den Schneider, sowie für den Alet und die Zielart Seeforelle zu garantieren. Die Äsche und die Nase sind für die gesamte Sihl als Zielfischart festzulegen. Zudem sei festzuhalten, dass Äsche und (Bach-)Forelle auch im Januar und Februar wandern.

5. Mindestrestwassermenge: In der Stellungsnahme werden geforderte Mindestwassermengen dokumentiert, damit auch Laich-, Juvenil- und Adulthabitate entstehen können.

Für die gesamte Restwasserstrecke seien die nötigen hydrogeologischen Untersuchungen vorzunehmen. Die relevanten Grenzabflüsse (z.B. bettbildende Abflüsse, bankbildende Abflüsse etc.) für die wichtigen und wiederherzustellenden Geschiebeprozesse seien darzustellen und die Veränderung durch den Sihlsee aufzuzeigen. Eine Veränderung der wichtigen und natürlichen Hochwasserprozesse sei maximal um den Faktor 2 zuzulassen. Dies bedeutet in der Praxis, dass die jährlichen Hochwasser in ihrer Anzahl (nicht in ihrer Wassermenge) maximal halbiert werden dürfen, die 2-jährlichen Hochwasser durchschnittlich alle 4 Jahre und allenfalls die 10-jährlichen Hochwasser alle 20 Jahre vorkommen sollten (>200m3/s über mindestens 8h). Die Restwassermenge sei so festzulegen, dass im Sihlwald 5’000-8’000 l/s sowie beim Platzspitz 8’000-10'000 l/s für die Gewährleistung von Laich-,Juvenil- und Adulthabitatender Zielfischarten eingehalten werden. Die Nutzwassermenge sei auf 30-40% des natürlichen Abflusses zu reduzieren. 

6. Freie Fischwanderung: 

Die uneingeschränkte Fischwanderung für alle Arten sollte ganzjährig garantiert werden. Ein für alle Arten nutzbarer Wanderkorridor bzw. eine Niederwasserrinne muss ganzjährig gewährleistet werden. Die Wandertiefe sei ganzjährig für Äsche, Forelle, Nase, Alet und Barbe auf 35 cm festzulegen.- Die Wandertiefe sei für Seeforelle und Lachs von Oktober bis Dezember auf 58 cm festzulegen. Die Restwassermengen seien in diesen Monaten dementsprechend zu erhöhen. Von der Pulsdotation für den Lachs sei abzusehen. Durch die Restwasserdotation seien 5‘000-8‘000 l/s im Sihlwald bzw. 8’000-10'000 l/s beim Platzspitz für die freie Fischwanderung ganzjährig zu garantieren.

7. Interessenabwägung: 

Die sich wiederholenden Argumente aus Kapitel 3 seien zu streichen. Die relevanten Zahlen zur Darlegung des öffentlichen Interesses an der Wasserentnahme seien einzufügen. Die Untersuchungen zum Einfluss der Restwassermenge seien mit deutlich höheren Abflüssen zu vergleichen. Die Einschätzung der Restwassermenge muss gemäss Hydmod-F naturnah sein. Es seiein ENHK-Gutachten nachzuliefern.

8. Mindestanforderungen: 

Die Restwassermengen sind gemäss den Ausführungen der USOs anzupassen. Auf das Bonus-Malus-System sei zu verzichten.

 

Auch interessant zu wissen:

Rheinministerkonferenz 2020 (Bericht auf unserer Homepage vom 14. Februar 2020 zwecks Fischgängigkeit im Rhein für den Lachs)

Kommen Sie mit auf eine Fischwanderung (BAFU 27.09.2018)