Kegelabend im Rössli
Der sportliche Höhepunkt unseres Vereins stand gestern auf dem Programm. Wer sich schon immer gewundert hat, wieso wir Sportfischerverein heissen, der versteht es erst, wenn er selber einen Fuss in den berühmt berüchtigten Keller des Restraurants Rössli in Schübelbach gesetzt und die zum Schneiden dicke und schweisserfüllte Luft durch seine Lungen inhaliert hat. Und so war es auch an diesem ersten Donnerstag des Monats November. Nach und nach füllte sich die Stätte, an der auch dieses Jahr Clubgeschichte geschrieben werden sollte...
Zwölf der besten Kegler schrieben sich für den Wettkampf ein. Eine der Favoritinnen und amtierende Titelverteidigerin wurde jedoch am frühen Morgen des Entscheidungstages von einer bösen Hexe besucht und war in der Folge nicht mehr im Schuss. So verblieben nur noch elf. Und da der vielfach als Geheimfavorit gehandelte Ehrenpräsident Noldi beim Einkegeln ein Zwicken verspürte, reduzierte sich das Teilnehmerfeld auf nur noch zehn Leute. So brutal kann der Sport manchmal sein und das Favoritensterben nahm seinen Lauf. Als weder Pia noch der andere Ehrenpräsident im Bunde von dieser Situation profitieren und deren Platz einnehmen wollten, war das Teilnehmerfeld für diesen Abend in Stein gemeisselt...
Nichts dem Zufall überlassen wollte die Familie Schweizer. Vater und Sohn waren die Ersten auf Platz und loteten früh schon einmal die Ecken und Kanten der Kegelbahn aus. Zumindest beim jüngeren der beiden war dies von Vorteil, denn dieser bekundete zu Beginn noch einige Abstimmungsschwierigkeiten, was die Geschwindikeit bei Kugelabgabe betraf. So wurden seine Kugeln des öfteren geblitzt und Roli mit einigen Busszetteln abgestraft. Für den Wettkampf hatte dies zu seinem Glück aber keine Konsequenzen. Aber nicht nur diese, auch andere Mitstreiter liessen klar ihrem Ehrgeiz freien Lauf, während sie einige Probekugeln in Richtung der neun Kegel abgaben. An dieser Stelle währen da gleich drei neue Gesichter eine nähere Betrachtung wert: So liess es sich Marlen nicht nehmen, auch mal Ihr Glück zu versuchen. Sie hat die Lizenz zwar erst auf Probe, doch kam sie durch eine Wildcard in das begehrte Teilnehmerfeld. Böse Zungen behaupten, dass es Bestechungsversuche beim Kampfrichter gegeben haben könnte. Julian, seines Zeichens noch Jungfischer, wollte trotz eben erst auskurierter Bänderzerrung ebenfalls mitmischen. Sein Formstand war demzufolge noch nicht auf dem gewünschten Niveau, was bei Herbert die Nackenhaare sträuben liess. So gab er gerne noch einige Tipps (siehe Bild). Fabian musste vor dem Wettkampf noch seinen Verpflichtungen bei seinen Sponsoren nachkommen. Da er sich in Schübelbach nicht so gut auskannte und mindestens zehn Runden mit der Kirche ums Kreuz fuhr, trat er mit etwas Verspätung dem Wettkampf bei. Da er gänzlich ortsunkundig ist, wurde er trotzdem noch zugelassen. Auch wenn alle drei noch keinen Einfluss auf das Siegerpodest nehmen konnten, so zeigten deren Formkurven während des Wettkampfes steil nach oben und liessen so manchen aufhorchen. Marlen und Julian wechselten (zu) spät auf die schweren Kugeln und erreichten in der Folge ein ganz neues Level.
Nimmt man die sportlichen Leistungen etwas genauer unter die Lupe, so gab es an diesem Abend doch die eine oder andere Überraschung. Der frischgebackene Präsident und Titelverteidiger brachte die Leistung des vergangenen Jahres nicht mehr auf die Bahn. "Alles Kopfsache!", meinte Roland kurz und knapp in einem Interview auf SRF während einer kurzen Pause zwischen seiner zweiten und dritten Passe. Stefan, seines Zeichens Zuschauer mit den gewohnt markigsten Kommentaren an solchen Anlässen, nickte beistimmend und mit breitem Grinsen in die Kamera, als er mit Wurst und Bier bewaffnet in Richtung der billigen Plätze wankte und das Interview kurz crashte. Und so schlichen sich im Verlaufe des Wettkampfes immer wieder Fehlschüsse ein, sodass Mathias, wenn auch relativ knapp, das Siegertreppchen nur von weiter Ferne sehen konntes. Besser machte es Marcel, welcher an diesem Abend auch noch das Amt des Kampfrichters inne hatte. Er liess seine bestechende Form einige Male aufblitzen, als er wie ferngesteuert im letzten Moment die Kugeln doch noch auf die richtige Bahn zu hexen schien. Mit dem dritten Platz konnte er durchaus zufrieden sein. Roland drehte im Laufe des Wettkampfes immer mehr auf und liess durch sehr gute Kugeln eine unterdurchschnittliche erste Passe schnell vergessen und pflügte sich unaufhaltsam seinen Weg auf das Podest. Dafür, dass es an diesem Abend nicht für ganz oben reichte, sorgte die Überraschung des Abends schlechthin: Sepp, zum ersten Mal mit Brille angetreten, schien auf einmal den Durchblick zu haben und schoss in Durchgang zwei bis vier jeweils ein "Babeli" und krönte seine Leistung im fünften gar mit einem Kranz. Eine beeindruckende Konstanz, welche lange Gesichter im Publikum und dem Teilnehmerfeld provozierte. Sepp, sichtlich selber überrascht, genoss seinen Sieg in vollen Zügen. Doch beim anschliessenden Auslaufen am Töggelikasten konnte er bei drei lupenreinen Eigentoren im ersten Spiel das hohe Konzentrationslevel von der Kegelbahn nicht mehr auf das neue Terrain transferieren. Zuviel Alkohol ist wohl bei der Siegerfeier geflossen. Hier triumphierte schlussendlich das Team Herbert/Roland mit 6:5, 6:5 und 6:5 über Sepp/Mathias. Noch lange hörte man Letztere an diesem Abend über dieses Resultat hadern...
Besten Dank an Marcel Odermatt für die Organisation des Abends und die Besetzung des Punktrichterpostens sowie an Marlen, welche die Preise organisiert hat.