, Jetzer Mathias

Fangverbot von Felchen im Bodensee ab 2024

Stichlinge, Quaggamuscheln und Klimawandel setzen den Felchen zu

Die Internationale Bevollmächtigungskonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) hat an der Jahreskonferenz am vergangenen Mittwoch eine drastische aber aus ihrer Sicht alternativlose Entscheidung getroffen. Aufgrund eines dramatischen Einbruchs der Fangzahlen von Blaufelchen haben sie beschlossen, ab nächstem Jahr ein Fangverbot für alle Felchenarten zu verhängen. Dieses ist auf drei Jahre befristet. Die Fangstatistik 2022 des Brotfisches im Bodensee lässt aufhorchen. So gingen die Felchenfänge im Vergleich zum Vorjahr um 80% auf nur noch 21 Tonnen zurück. Vor 20 Jahren wurden noch 800 Tonnen gefangen. Der im Vergleich zum Zürichsee über fünfmal grösseren Bodensee gab im 2022 damit gerade mal einen Fünftel unserer Fänge her.

Der Bodensee ist eines der am besten überwachtesten Gewässer im deutschsprachigen Raum. Durch das Projekt Lac wie auch AG Seewandel wurden über die letzten Jahre vielerlei Studien gemacht (siehe auch unter Download/Links). So sehen die Experten den Rückgang vor allem aufgrund einer massiven Ausbreitung des Stichlings im Bodensee. Mittlerweile sind 90 Prozent aller im Freiwasser lebender Fische dieser Art zuzuordnen. Diese fressen den Felchen die Nahrung weg und gefährden durch Prädation auch die Jungfischbestände. Auch die Quaggamuschel wird als problematisch eingestuft. Als dritte Ursache wurde die Klimaveränderung aufgeführt.

Folgende Massnahmen wurden demnach beschlossen:
- die fischereiliche Schonung der Felchen durch Berufs- und Angelfischerei
- Anpassungen im Felchenbesatz
- die Überprüfung von Nutzungs- und Eindämmungsmöglichkeiten der invasiven gebietsfremden Stichlinge

Sprich, die Felchen werden in den Brutanstalten länger in geschütztem Rahmen aufgezogen, damit sie von den Stichlingen nicht mehr gefressen werden können und man wird versuchen, die Biomasse der sich seit 10 Jahren stark ausbreitenden Stichlingen durch gezielte Fänge beträchtlich zu reduzieren. Auch wurde nochmals die Forderung nach Massnahmen gegen die Kormoranbestände unterstrichen.

Im Zürichsee sind die Fänge der Felchen über die letzten Jahre stabil geblieben. Trotzdem gilt es, wachsam zu bleiben.

Quellen:
Medienmitteilung IBKF
Bericht von SWR